Autor: Mark Valentin (FWG Edermünde)

Anfragen der HNA an die Fraktion FWG Edermünde 22.10.2020

1. Was spricht aus Ihrer Sicht für bzw. gegen die neue Halle? (z. B. wirtschaftliche Vorteile für die Gemeinde) 

Unstrittig ist das man eine Fläche immer nur einmal verbauen kann. Die Frage ist nun ob man sich für das schnelle Geld entscheidet und den vollmundigen Versprechen eines Logistik Investors Glauben schenkt oder ob man sich für einen nachhaltigen Weg entscheidet, der die Belange der Landwirtschaft genauso Rechnung trägt, wie dem Erhalt der Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger. Hier kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen insbesondere dann, wenn man die Verantwortung für 2 überteuerte Kindergartenprachtbauten trägt und sich Haushaltslöcher durch Sanierungsstaus auf tun. Hier sind intelligente wie nachhaltige Lösungsansätze gefragt. In der Bevölkerung scheint es viele kritische Stimmen zu geben, wie die gestern Abend vor der Bilsteinhalle anwesenden Bürgerinnen und Bürger eindrucksvoll gezeigt haben.

 

2. Unter welchen Bedingungen sind Sie dagegen oder dafür?

Die Frei Wählergemeinschaft Edermünde ist nicht pauschal gegen Flächenversiegelung, aber das Verhältnis Eingriff in die Natur und Vorteile für Landwirtschaft und Bürgerinnen und Bürger muß stimmen. Wir werden daher Pro und Contra sorgfältig abwägen und uns in unsere nächsten Klausurtagung am 31.10. mit dem Thema „Klima-, Umwelt-, Naturschutz intensivieren“ auch mit diesem Bauvorhaben auseinandersetzen. Hierzu laden wir interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich ein mit uns zu diskutieren. Kontaktieren Sie hierzu gerne Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

3. Inwiefern hat sich Ihre Position zu den Hallen-Plänen nach der Präsentation verändert? 

Die bekannte Vorplanung zu dem Logistikzentrum und die gestern vorgestellte Planung sind identisch. Daher hat sich unsere konstruktive kritische Position auch nicht verändert. Wir stehen mit der BI Logistik Edermünde genauso in engem Dialog wie mit potenziellen Befürwortern des Bauvorhabens, um uns ein umfassendes Bild in unserer Bevölkerung zu machen. Wir werden daher auch an der Nachbesprechung der BI Logistik Edermünde am Fr. dem 23.10. um 19:00 Uhr im Gasthaus Engel teilnehmen und haben uns hierzu unter info@bi-logistik-edermuende bereits angemeldet.

 

Autor: Fam. Henkes, Edermünde-Grifte

Grundsätzlich sehe ich eine Ansiedlung von Gewerbe als positives Signal an, soweit es sich um ein nachhaltiges. arbeitsplatzschaffendes und in einer Größe angemessene Unternehmen handelt. Hierzu zählen für mich das produzierende Gewerbe als auch Handwerksbetriebe und Dienstleister.

Eine Ansiedlung von Logistikunternehmen, Logistikzentren zählen m.E. nicht dazu. Eine solche Ansiedlung steht in keinem Verhältnis zu den absehbaren Nachteilen wie:

  • Das hohe Verkehrsaufkommen, insbesondere durch Lkw`s für den Ortsteil (OT) Grifte und den OT entlang der A 49 Lärmbelästigungen und die Gefahr erhöhter Straßenschäden durch Großraumfahrzeuge, insbesondere in der innerorts Lage.
  • Die schlechtere Wohn- und Lebensqualität.
  • Den Verlust guter landwirtschaftlicher Flächen für Generationen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Nahrungsproduktion, Nachhaltigkeit, Regionalität und den Verlust von Natur.
  • Die Flächenversiegelung von nahezu 18 ha und den daraus resultierenden Problemen der Wasserführung.

Diese Nachteile betrifft langfristig alle Bürger in Edermünde und den angrenzenden Kommunen.

Weiterhin spricht die bereits vorhandene, ausgewiesene Gewerbefläche, südlich des jetzigen Logistikfläche von Lidl gegen das Vorhaben.

Die Aussage der bestehende Höhenunterschied mache den Bau einer Halle nicht möglich ( HNA v. 29.10.2020) ist einem weltweiten agierenden Unternehmen nicht würdig und für mich nicht glaubhaft.

Nach meiner persönlichen Einschätzung wird seitens des Unternehmens ist eine ggf. spätere Erweiterung des geplanten Logistikzentrums in Richtung des OT Grifte favorisiert oder nicht ausgeschlossen.

Autor: Oliver Steyer (Fraktionsvorsitzender)

Anfragen der HNA an die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Edermünde 22.10.2020

Was spricht aus Ihrer Sicht für bzw. gegen die neue Halle?

Verlust von 180.000 m² fruchtbarem Ackerland (Grundlage unseres Lebens), 100.000 m² versiegelte Fläche (nur Lidl ohne kleinteiliges Gewerbe) - Auswirkung auf lokales Klima. Erhöhtes Verkehrsaufkommen nicht nur durch Grifte sondern auch auf der A49 durch Holzhausen. Massiver Eingriff in das Landschaftsbild. Entwertung von Wohnimmobilien in unmittelbarer Umgebung. Keine Erweiterungsmöglichkeit für den Hagebaumarkt und Grünwald – das waren mal Argumente für die Ausweisung der Fläche. Das wiegt die Arbeitsplätze und die Gewerbesteuereinnahmen nicht auf.

 

Unter welchen Bedingungen sind Sie dagegen oder dafür?

Wir wollen keinen Schwerpunkt Logistik in Edermünde. Die Edermünder Flächen entlang der A49 sind die Sahnestückchen für gewerbliche Entwicklung südlich von Kassel. Wir sollten sorgfältig abwägen: Für Nachhaltigkeit, dauerhafte Arbeitsplätze, Einbindung in Natur und Landschaft, lieber mehrere kleinere Gewerbesteuerzahler als abhängig von wenigen Großen. Wir brauchen ein Konzept (Landschaftsplan für Edermünde) für die Entwicklung entlang der A49, auch um den Eingriff in die Natur sinnvoll und nachhaltig in der Gemeinde ausgleichen zu können. Lidl erfüllt diese Bedingungen nicht.

 

Inwiefern hat sich Ihre Position zu den Hallen-Plänen nach der Präsentation verändert?

Unsere Befürchtungen wurden bestätigt. Die Halle lässt sich Richtung Grifte erweitern und wird um die 30 m auf dieser Seite aus der Erde ragen. Sie erhält nur einen grünen Farbanstrich, weder eine Fassaden- noch eine Dachbegrünung. Der Umzug von einer Straßenseite auf die andere, nach weniger als 20 Jahren wirft die Frage auf: Was passiert in 20 Jahren? Müssen wir Lidl eine noch größere Fläche anbieten oder ziehen sie weiter, dorthin, wo noch größere Flächen zur Verfügung stehen. Der jetzige Standort bleibt Logistik, ob unter Lidl-Fahne oder durch einen anderen Nutzer.

 

Autor: Meinhard Krug
 
Ein Punkt wurde bis dato noch nicht berücksichtigt und fehlt m. E. nach noch im Fragenkatalog.

Es steht die Frage im Raum, mit welchen Kompensations- und Ausgleichsmaßnahmen gerechnet werden kann, wenn das LIDL-Vorhaben zur Ausführung käme.

Dürfen wir damit rechnen, dass zusätzlich zur durch LIDL beanspruchten Fläche weitere Flächen für sog. Ausgleichsmaßnahmen 'entnommen' werden? 

Bei vergleichbaren Projekten, die in den vergangenen Jahren realisiert wurden, umfassten die Flächen für Ausgleichsmaßnahmen eine hinzu zu addierende Fläche von etwa 30 bis 50 % der eigentlichen zu bebauenden Fläche. Und in allen Fällen handelte es sich um weitere Entnahmen von bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Wenn ja, wo sollen dies Flächen entnommen werden? Etwa auch im eigenen Gemarkungsbereich oder evtl. auch woanders? Oder wird es so sein, dass z. B. alle Wegränder mit Bäumen umsäumt werden?

Zu diesem Thema gibt es viele weitere Beispiele, wie bei dieserart Maßnahmen 'grüne Punkte ergaunert' werden.

Aus Sicht der Landwirtschaft lehnen wir dieserart Vorgehensweisen eindringlich ab und werden einem solchem Vorgehen in keinster Weise zustimmen.

Wenn Ausgleiche geschaffen werden müssen, sind diese auf der betroffenen Fläche des Geltungsbereiches vorzuhalten und dürfen nicht zusätzlich noch durch andere landwirtschaftliche Flächen 'ausgeglichen' werden.

Mir ist bekannt, dass das Bundes-Naturschutzgesetz was anderes beinhaltet, aber wenn schon großflächig Flächen versiegelt werden müssen, können Ausgleiche für dadurch entstehende Eingriffe m. E. nach nur vorgenommen werden in Form einer 'Entsiegelung' von anderen Flächen, wie z. B. die von nicht mehr genutzten Industriebrachen.

Im Jahre 2009, als es um die Ausweisung des TG-2 (südlicher Gürtel in Richtung Holzhausen) ging, habe ich bei den zugehörigen Auslegungen von unserer Gemeinde und vom Zweckverband Stellung genommen und u. a. auf diese und andere Punkte aufmerksam gemacht. Meine Anmerkungen dazu wurden wie viele andere auch lediglich 'zur Kenntnis genommen'. Allerdings wurde seinerzeit zugesichert, dass die nicht im Geltungsbereich liegenden Wirtschaftswege und landwirtschaftlichen Flächen nicht für Ausgleiche herangezogen werden, sondern diese innerhalb der maßgeblichen Gewerbefläche vorgenommen werden müssen. Ob man seitens der verantwortlichen Gremien noch dazu steht, wird hier zu klären sein...

In diesem Zusammenhang drängt sich sowieso die Frage auf, wie man seitens der Gemeinde verfahren will, wenn das LIDL-Vorhaben auf den geplanten Flächen nicht realisiert werden kann. Wird man dann auf die Flächen des TG-2 'zurückgreifen'?

Diese Flächen sind zwar aus landwirtschaftlicher Sicht sicher nicht ganz so hochwertig wie die avisierte Fläche, aber das Vorhaben ist dort genauso abzulehnen, da das 'Entnahme-Problem' dasselbe bleibt!

 

Autor: Theo Werner

In den Bemühungen, das neue Lidl-Gebäude an dem geplanten Standort zu vermeiden, wird m.E. der Standortalternative gegenüber dem jetzigen Gebäude von Lidl zu wenig Beachtung geschenkt.

Falls meine Informationen richtig sind, ist Kördel im Besitz von Brachland mit minderwertigem Agrarland gegenüber dem jetzigen Lidl-Lager und hat angeboten, auf diesem Land ein Lagergebäude zur Vermietung an Lidl zu errichten. Lidl hätte das jedoch abgelehnt.

Vorausgesetzt, das Gelände ist groß genug für die Lidl-Ansprüche, wäre das die Lösung des Problems, das neue Lidl-Lager auf diesem Gelände zu errichten.

- Keine Vergeudung wertvollen Agrarbodens
- Reduzierung zusätzlicher Versiegelungsfläche, da Geländebeschaffenheit des genannten Grundstücks wenig Regenwasserversickerung zulässt.
- Option einer Umgehungsstraße mit Anbindung an den Kreisel bleibt erhalten.
- Kein zusätzlicher Lkw-Verkehr, derzeitige Zufahrt von der A49 bleibt unverändert.
- Veränderung des Landschaftsbildes ist moderat, da bereits Gebäude von Brückmann, Lidl, ATU usw. vorhanden sind.
- Keine Schattenbildung durch neues Gebäude auf südlich befindliches Agrarland, wenn neues Gebäude parallel zum jetzigen Lidl-Gebäude gebaut wird.

Die Bemühungen sollten sich darauf richten, dass Kördel das Gelände an Lidl verkauft und Lidl überzeugt wird, dass diese Lösung nachhaltig die bessere ist, weil das Bauvorhaben gegen geringeren Widerstand der BI durchgeführt werden kann und damit eine schnellere Fertigstellung erreicht wird.